Heute gab's kein Lob. War nicht die Gelegenheit. Heute gab's dafür ein weiteres Kompliment. Diesmal an eine Fremde. Sie hatte ein wirklich außergewöhnlich schönes Kleid an. Und das habe ich ihr auch gesagt. Ihre Rührung über das Kompliment - hat mich gerührt.
Weil ich aber heute unbedingt noch loben will, bekommt jetzt ihr, liebe Mamas ein großes Lob von mir. Dafür, dass ihr euch tagtäglich diesem Wahnsinn aussetzt. Dafür, dass ihr zwischen Herd und Kind und Job und Haushalt und und und hin und her jongliert. Dafür, dass ihr euch von patriarchischen Chefs und aufstrebenden ellenbogeneinsetzenden Kollegen nicht die Laune vermiesen lasst. Dafür, dass ihr eure Karriere für eure Kinder aufgegeben habt, aber dennoch arbeiten geht. Weil ihr einfach müsst. Dafür, dass ihr nicht nur Seelentröster und Milchreiskocher seid, sondern auch Familienmanager und Taxifahrer. Dafür lobe ich euch. Ihr macht das echt klasse. Weiter so!
Mit meinem Blog möchte ich anderen Müttern Mut machen, dass nicht immer alles perfekt sein muss und dass Rabenmütter definitv besser sind, als ihr Ruf.
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Donnerstag, 19. März 2015
Mittwoch, 18. März 2015
Lobwoche - Tag 2
Ohjeeohjee, mein Experiment gestaltet sich schwieriger als ich dachte. Loben ist gar nicht so einfach, wenn man nicht gerade inflationär damit umgehen will. Und ich will es auch nicht übertreiben, denn es soll ja ein echtes Lob sein und kein so daher gesagtes. Komplimente machen ist wahrlich einfacher. Das bekam heute mein italienischer Ex-Freund. Für seine tolle Familie. Hat er gut gemacht ;-) Ich bin also im Moment sogar international tätig. Das Lob hat heute Rabentochter verdient. Sogar ein doppeltes. Sich-die-Lunge-aus-dem-Leib-hustend war an Kindergarten nämlich nicht zu denken. Aber arbeiten musste ich trotzdem. Also saß sie stundenlang brav neben mir und hat gemalt. Ostereier, Winnie-Puh, Prinzessinnen und so weiter und so fort. Das erste Lob gab es für ein tolles Bild, das zweite für echte Geduld mit der arbeitenden Mami. Geht doch!
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Dienstag, 17. März 2015
Lobwoche - Tag 1
Puhh, loben ist gar nicht so einfach. Heute habe ich mein Lob-Anerkennung-Kompliment-Experiment begonnen und habe feststellen müssen, dass ein Lob wirklich nicht so leicht über die Lippen geht. Ein Kompliment schon. Das war heute nicht so schwer. Das habe ich einer Kollegin gemacht. Sie ist 51 und sieht noch sehr jugendlich aus. Doch wie sagt man das? "Für dein Alter siehst du echt noch gut aus?" Finde ich ziemlich plump. "Du hast dich aber gut gehalten!" Noch schlimmer. Ich habe mich dazu entschlossen ihr einfach zu sagen: "Du siehst sehr gut aus. Punkt!" Kam gut an und hat sie glücklich gemacht.
Aber bei einem Kompliment wollte ich es nicht belassen, es musste noch ein Lob her. Doch wie gesagt, gar nicht so einfach. Meinen Eltern habe ich gesagt, dass sie tolle Großeltern sind. Ist das schon ein Lob oder doch eher ein Kompliment oder etwa meine Anerkennung? Egal, gefreut haben sie sich jedenfalls sehr. Und dann kam es doch noch. Das Lob. Und es fiel auch gar nicht schwer. Das hat heute Rabensohn bekommen. Fürs Vorlesen. Ist immer ein bisschen schwierig mit ihm. Eigentlich liest er ja ganz gut. Aber üben will er nicht. Es gibt immer wichtigere Dinge zu erledigen. Doch heute hat er freiwillig insgesamt 30 Minuten vorgelesen. Und er hat es wirklich richtig gut gemacht. Da kam mein Lob für ihn aus tiefstem Herzen.
Fazit des ersten Tages: ICH habe heute zwar weder Lob noch Anerkennung oder ein Kompliment bekommen, mir geht es aber trotzdem sehr gut. Denn ich habe vier andere Menschen ein bisschen glücklicher gemacht.
Aber bei einem Kompliment wollte ich es nicht belassen, es musste noch ein Lob her. Doch wie gesagt, gar nicht so einfach. Meinen Eltern habe ich gesagt, dass sie tolle Großeltern sind. Ist das schon ein Lob oder doch eher ein Kompliment oder etwa meine Anerkennung? Egal, gefreut haben sie sich jedenfalls sehr. Und dann kam es doch noch. Das Lob. Und es fiel auch gar nicht schwer. Das hat heute Rabensohn bekommen. Fürs Vorlesen. Ist immer ein bisschen schwierig mit ihm. Eigentlich liest er ja ganz gut. Aber üben will er nicht. Es gibt immer wichtigere Dinge zu erledigen. Doch heute hat er freiwillig insgesamt 30 Minuten vorgelesen. Und er hat es wirklich richtig gut gemacht. Da kam mein Lob für ihn aus tiefstem Herzen.
Fazit des ersten Tages: ICH habe heute zwar weder Lob noch Anerkennung oder ein Kompliment bekommen, mir geht es aber trotzdem sehr gut. Denn ich habe vier andere Menschen ein bisschen glücklicher gemacht.
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Dienstag, 1. Juli 2014
Vielleicht bin ich auch einfach nur neidisch!
Vor diesem Anruf haben die meisten arbeitenden Mütter Angst: "Können Sie bitte Ihren Sohn abholen. Er klagt über Bauchschmerzen!" Ne, passt jetzt leider gar nicht, ich bin noch in der Probezeit! War mein erster Impuls. Mein zweiter Impuls ließ mich den Computer ausschalten, meinem Chef Bescheid geben, zum Auto hetzen, die Strecke ohne Unfall überstehen und ein blasses Häuflein Etwas in die Arme schließen. Probezeit hin oder her, das Kind ist krank! Jetzt heißt es ran ans Doping. Natürlich nur mit natürlichen Mitteln, Rabenmutter hin oder her! Also Tee kochen, Wärmekissen aufs Bäuchlein, Zwieback und geriebener Apfel, vielleicht ein paar leicht gesalzene Nudeln. Und dann ab ins Bett und ausruhen. Bitte Kind, sei am nächsten Tag einfach wieder gesund.
Das sind die Momente, wo ich die Vollzeitmütter und "Nur-Hausfrauen" beneide. Egal, ob das Kind Bauchschmerzen, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen oder sonst was hat. Mama ist ja da, zu Hause. Kein Abgabetermin des nächsten Textes. Kein Meeting. Kein Script, welches fertiggestellt werden muss. Nein, einfach nur Mama. Ja, ich gebe es zu, ich bin neidisch auf diese Mütter, die sich den in meinem Augen Luxus leisten nicht arbeiten zu gehen. Und dann denke ich so bei mir: "Ja, das hätte ich auch gerne! Den ganzen Tag zu Hause und immer da für die Kinder". Ja, warum mache ich das dann nicht? Scheiß doch auf die zusätzliche Kohle und das bisschen Anerkennung. Die ganzen Biochemikerinnen, reisefreudigen Journalistinnen, hoch dotierten Managerinnen machen es doch auch. Bekommen ein bis vier Kinder und kümmern sich um Mann und Haus. Aber ist es wirklich das, was ich will?
Ich will, wie so viele arbeitenden Mütter irgendetwas dazwischen. Ich will arbeiten, ich will mein eigenes Geld verdienen und mich nicht komplett von meinem Mann abhängig machen. Ich bin wirklich kein pessimistisch denkender Mensch, aber ich finde diese Denkweise "Ich gebe für meine Kinder alles andere auf" ziemlich naiv und kurzfristig gedacht. Was ist, wenn der Mann geht? Wenn er eine Jüngere, eine Interessante, eine Tollere findet? Dann bleibt nichts! Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber eine Trennung - das kann jeden treffen. Ich will auf eigenen Beinen stehen, ich will für meine Rente vorsorgen, ich will im Notfall auch alleine klarkommen. Das ist einer der Gründe, warum ich arbeiten gehe. Der andere ist: Es macht mir Spaß! Aber regelmäßig mache ich mir ein schlechtes Gewissen. Und ehrlich, es wird mir auch von der Gesellschaft regelmäßig gemacht, das schlechte Gewissen. Weil meine Kinder den ganzen Tag in der Schule bzw. Kita fremd betreut werden. Und ich mich nicht um sie kümmere.... Und gerade dann, wenn ein Kind krank ist, ist es besonders bitter. Lieber wäre ICH bei ihnen. Ohne mir Sorgen machen zu müssen, wie das jetzt im Job ankommt. Lieber würde ICH ihnen das Händchen halten und nicht Oma. Und in diesem Moment wäre ich lieber Vollzeitmama mit der Garantie auf Vollzeitglück und volle Rente.
P.S.: Ich habe mal die gefragt, die meine Berufstätigkeit am Meisten betrifft: meine Kinder. Ich wollte wissen, ob sie glücklich sind. Und als Antwort tönte es einstimmig: "Ja Mama, wir haben glücklich!" :-)
Das sind die Momente, wo ich die Vollzeitmütter und "Nur-Hausfrauen" beneide. Egal, ob das Kind Bauchschmerzen, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen oder sonst was hat. Mama ist ja da, zu Hause. Kein Abgabetermin des nächsten Textes. Kein Meeting. Kein Script, welches fertiggestellt werden muss. Nein, einfach nur Mama. Ja, ich gebe es zu, ich bin neidisch auf diese Mütter, die sich den in meinem Augen Luxus leisten nicht arbeiten zu gehen. Und dann denke ich so bei mir: "Ja, das hätte ich auch gerne! Den ganzen Tag zu Hause und immer da für die Kinder". Ja, warum mache ich das dann nicht? Scheiß doch auf die zusätzliche Kohle und das bisschen Anerkennung. Die ganzen Biochemikerinnen, reisefreudigen Journalistinnen, hoch dotierten Managerinnen machen es doch auch. Bekommen ein bis vier Kinder und kümmern sich um Mann und Haus. Aber ist es wirklich das, was ich will?
Ich will, wie so viele arbeitenden Mütter irgendetwas dazwischen. Ich will arbeiten, ich will mein eigenes Geld verdienen und mich nicht komplett von meinem Mann abhängig machen. Ich bin wirklich kein pessimistisch denkender Mensch, aber ich finde diese Denkweise "Ich gebe für meine Kinder alles andere auf" ziemlich naiv und kurzfristig gedacht. Was ist, wenn der Mann geht? Wenn er eine Jüngere, eine Interessante, eine Tollere findet? Dann bleibt nichts! Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber eine Trennung - das kann jeden treffen. Ich will auf eigenen Beinen stehen, ich will für meine Rente vorsorgen, ich will im Notfall auch alleine klarkommen. Das ist einer der Gründe, warum ich arbeiten gehe. Der andere ist: Es macht mir Spaß! Aber regelmäßig mache ich mir ein schlechtes Gewissen. Und ehrlich, es wird mir auch von der Gesellschaft regelmäßig gemacht, das schlechte Gewissen. Weil meine Kinder den ganzen Tag in der Schule bzw. Kita fremd betreut werden. Und ich mich nicht um sie kümmere.... Und gerade dann, wenn ein Kind krank ist, ist es besonders bitter. Lieber wäre ICH bei ihnen. Ohne mir Sorgen machen zu müssen, wie das jetzt im Job ankommt. Lieber würde ICH ihnen das Händchen halten und nicht Oma. Und in diesem Moment wäre ich lieber Vollzeitmama mit der Garantie auf Vollzeitglück und volle Rente.
P.S.: Ich habe mal die gefragt, die meine Berufstätigkeit am Meisten betrifft: meine Kinder. Ich wollte wissen, ob sie glücklich sind. Und als Antwort tönte es einstimmig: "Ja Mama, wir haben glücklich!" :-)
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Montag, 24. Februar 2014
Notiz am Rande - Einmal Mama, immer Mama!
Ach, wir Frauen sind schon wirklich kompliziert. Ich gebe es ja zu. Klar, wir wollen gerne Mutter werden. Und wenn wir dann Mutter sind, dann wünschen wir uns weiterhin die erfolgreiche Karrierefrau oder die weniger Anspruchsvollen unter uns, wenigstens berufstätig zu sein und dann....? Dann haben wir durch unseren Job endlich mal die Möglichkeit wieder einzutauchen die Welt der Berufstätigen, der Karrieremenschen und was machen wir? Wir reden fast den ganzen Abend über unsere Kinder. Wir könnten uns auch über die Exponate unterhalten, die an diesem Abend ausgestellt sind oder über die Preisträger, die an diesem Abend gekürt wurden. Aber nein, wir reden über unsere Kinder. Würden Männer das tun? Sich auf einer beruflichen Veranstaltung treffen und den ganzen Abend über die Kinder reden. NEIN! Männer haben andere Themen. Sport, Politik und Autos. Aber auf keinen Fall die Kinder. Warum machen wir Frauen das dann? Ist doch ganz klar, weil wir das nicht trennen. Weil die Kinder ein Teil von uns sind, auch wenn wir berufstätig sind oder weiterhin Karriere machen. Und deswegen blenden wir diesen Teil auch nicht aus. Außerdem sind wir stolz auf uns und unsere Kinder. Denn ja, wir kriegen das hin - Beruf und Kind/Kinder. Auch wenn es oft schwer ist. Wir schaffen das und ja, wir mögen das. Gerade meine Generation hat es schwer. Weder Vollzeit-Mutter, noch Vollzeit-Karrierefrau. Aber wir schaffen das. Weil wir eigentlich ganz zufrieden damit sind, Teilzeit-Kraft und Teilzeit-Mami zu sein. Nur ein bisschen mehr Respekt von außen, für das, was wir in "Teilzeit" jeden Tag leisten, dass würde uns gut tun. Und deswegen liebe Mütter dieser Welt, hört nicht auf über eure Kinder zu sprechen, denn das eint uns und wir erkennen: "Hey, das ist eine von uns!"
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Montag, 14. Oktober 2013
Nur Mut!
Sind wir doch mal ehrlich - der Alltag sieht, trotz aller Emanzipation immer noch so aus, dass viele Mütter nach dem ersten Kind zu Hause bleiben. Die wenigsten Väter gehen in Elternzeit. Gut, inzwischen sind es zwar schon ein Viertel aller Väter, aber die bleiben dann auch nur zwei Monate beim Kind - danach ist wieder die Mutter dran. Es sieht also nach wie vor so aus, dass die Frau ihre Karriere nicht nur auf Eis legt, sondern komplett aufgibt, um für die Familie da zu sein. Ja, auch mir geht es so. Es ist wirklich nicht so leicht, die richtige Balance zu finden. Was will ich denn wirklich? Karriere? Kinder? Beides? Von allem etwas lautet die richtige Antwort. Das Schlimme ist nur, dass Mütter sich nach einem Jahr oder mehreren Jahren zu Hause nichts mehr zutrauen. Ich beneide alle Mütter mit Festvertrag, die einfach wieder zurückkehren in ihren Job... Alle die es betrifft schlagen jetzt die Hände über dem Kopf zusammen und belehren mich, dass es ja so einfach nun auch wieder nicht ist. Ich weiß: Meist kehren die Mütter nicht in Vollzeit, sondern in Teilzeit zurück. Ob sie wirklich ihre ursprüngliche Arbeit wieder aufnehmen können, ist auch nicht sicher. Oft muss eine neue Stelle für die Teilzeitkraft geschaffen werden oder man wird bei einer 15-Stunden-Woche "gezwungen" jeden Tag drei Stunden zu kommen, damit auch ja jeden Tag ein Ansprechpartner da ist. Jetzt mal ehrlich - drei Stunden, das bringt doch gar nichts. Ist man gerade mal richtig bei der Arbeit, geht man schon wieder nach Hause. Worauf ich aber eigentlich hinaus will, ist nicht die Schwierigkeit seitens der Arbeitgeber wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen, sondern das mangelnde Selbstbewusstsein, dass Frau hat, wenn sie sich auf die Suche nach einem neuen Job begibt. Dabei haben wir Mütter doch die besten Voraussetzungen, um den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden. Wenn ich mir die Stellenanzeigen anschaue, dann wird Flexibilität, Organisationstalent, zielorientierte Arbeitsweise, Kreativität, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke gefordert. Mütter dieser Welt, das ist doch für uns kein Problem!!
Schauen wir uns die einzelnen Voraussetzungen doch mal genauer an.
Flexibilität: Heute habe ich frei! Einen ganzen Tag nur für mich! Herrlich! Pustekuchen - Kind ist krank. Also nichts mit Kaffeekränzchen, Friseurtermin und Lesen. Stattdessen wird Fencheltee gekocht und Wadenwickel gemacht. Nach Besserung des kindlichen Zustandes wird ein Puzzle nach dem anderen gelegt und tonnenweise Bücher vorgelesen. Alles andere kann warten. Auch ich!
Organisationstalent: Neulich in der Küche: Ich war mit Rabentochter und Rabensohn dabei Kekse zu backen. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich schleunigst das Abendessen vorbereiten musste. Also Fleisch eingelegt, Salat gewaschen, Kekse in den Ofen, Dressing angerührt, zwischendurch mal kurz Rabentochters Popo abgeputzt (natürlich gründlich die Hände gewaschen ;-))), Tisch gedeckt, Rabensohns ausgestochene Kekse bewundert, Ehemanns Ferienpläne abgenickt und dabei komplett die Ruhe bewahrt. Dank der richtigen Organisation war es ein Kinderspiel ;-)
Zielorientierte Arbeitsweise: Mein Ziel ist es, beide Kinder abends um halb acht im Bett zu haben. Darauf arbeite ich schon morgens hin, indem ich frage: "Wer bringt dich heute Abend ins Bett?" Leider bin unter der Woche meistens ich das, da mein Mann nicht da ist. In solchen Fällen fange ich ab ca. 17.30 Uhr damit an meine beiden Rabenkinder darauf vorzubereiten, dass in zwei Stunden Schlafenszeit ist. Alles mit dem Ziel, die Zu-Bett-Geh-Arie möglichst kurz zu halten. Nach dem Abendessen wird nicht mehr getobt, sondern nur noch ruhig gespielt (wenn ich die Kinder ins Bett bringe ;-))...). Um 19 Uhr liegen dann beide gewaschen und Zahn geputzt in ihren Betten und wir lesen. Danach wird noch gekuschelt und dann ist Schluss und es wird geschlafen. Klappt zwar nicht immer reibungslos, aber immer öfter. Deshalb hat auch jede Aktivität, die wir tagsüber machen das Ziel abends müde und zufrieden ins Bett zu fallen.
Kreativität: Bepackt mit zwei vollen Einkaufstaschen, einer quengelnden Tochter und einem Luftballon stand ich vor dem Aufstieg in unsere Wohnung. Trotz unbändigem Bewegungsdrang ist meine Tochter schlichtweg zu faul unsere 22 Stufen alleine hochzulaufen, sie will getragen werden. Aber das war nun mal in diesem Moment unmöglich. Also, was machen? Schnell das Gehirn eingeschaltet, kreativ gewesen und meiner Tochter folgenden Vorschlag gemacht: "Mal schauen, wer schneller oben ist, der Luftballon oder du? Auf die Plätze fertig los!" Luftballon in die Luft geworfen ... Und schwupps, waren Tochter, Luftballon und Einkaufstaschen oben.
Belastbarkeit: Ich sitze im Auto und quäle mich durch den Nachmittagsverkehr. Vor mir schleicht ein Opa in einer schicken Karosse her (Mensch hier ist 50, nicht 30!), links hinter mir quatscht mir mein Sohn ein Ohr ab und rechts hinter mir steht das Schnattermäulchen meiner Tochter nicht eine Sekunde still. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, wir sind spät dran. Sehr spät sogar. Opa vor mir macht eine Vollbremsung, Kind links hinter mir nimmt Kind rechts hinter mir die Puppe aus der Hand. Opa vor mir schreit Fußgänger an, Kind rechts hinter mir heult mich an und Kind links hinter mir schreit Kind rechts an, es solle nicht so laut heulen. Und ich mitten drin. Ruhe bewahrend, die Uhr im Blick und den Einkaufszettel für später im Kopf rezitierend. Plötzlich ertönt von vorne ein lautes Hupen, da Opa vor mir entgegenkommendem Großstadtjeep die Vorfahrt genommen hat, Kind rechts hinter mir kreischt los. "Ich muss Pipi!", Kind links schreit ich solle sofort anhalten, es hätte seinen neuen Flummi zu Hause vergessen. Mitten drin - ich. Immer noch ruhig. Endlich am Ziel angekommen, rasen wir zur Toilette, nebenbei erklärend, warum es kein Drama ist, dass der Flummi jetzt zu Hause ist, und Opa aus dem Wagen vor mir freundlich grüßend, da dieser sich als Nachbar meiner Eltern herausstellt. Und das alles ohne Valium oder ähnlichem.
Teamfähigkeit: Mich gibt es eigentlich nur im Team. Ein Familienmitglied arbeitet immer mit mir zusammen. Alleine bin ich fast nie. Noch nicht mal auf dem stillen Örtchen habe ich meine Ruhe. Irgendein Teammitglied verlangt immer nach mir. Gerne übernehme mich auch mal die Aufgaben der anderen Teammitglieder. Sei es Zimmer aufräumen, Arzttermine ausmachen oder Bestellungen aufgeben - ich bin dabei.
Kommunikationsstärke: Vermögen, sich leicht auf verständliche Art und Weise mitteilen zu können; Fähigkeit sich auf Sprache und Niveau des jeweiligen Kommunikationspartners rasch einstellen zu können.
Ich hole meine Kinder vom Kindergarten ab und nicht nur meine beiden Lieben, sondern auch der beste Freund meines Sohnes und die Erzieherin meiner Tochter stürmen auf mich zu und beballern mich mit Wörtern. Hier durchzublicken erfordert einige Konzentration und ich muss mich schnell auf meine Gesprächspartner einstellen und offene Fragen rasch beantworten. Zur Erzieherin gerichtet: "Ja, danke ist mir auch schon aufgefallen. Ich werde daran denken, neue Wechselklamotten mitzubringen." Zum Rabensohn: "Nein, heute können wir nicht mehr auf den Fußballplatz gehen. Es ist fast dunkel!", Zum Freund des Rabensohnes: "Da muss ich erst mal mit deiner Mami sprechen!", zur Rabentochter: "Ja mein Schatz, das hast du ganz toll gemalt!"
Liebe Mütter traut euch! Jede von euch hat doch sicher schon mal eine Situation erlebt, die euch stark macht für die Anforderungen der Arbeitswelt. Euer Kind/eure Kinder sind das beste Zeugnis. Ihr könnt viel mehr, als ihr euch vielleicht zutraut. Ihr seid belastbar, kreativ, flexibel, diplomatisch, kommunikationsstark und sehr schlau darin Lösungen zu finden und dabei nicht durchzudrehen. Außerdem seid ihr es gewohnt, wenn man euch nicht ständig lobt.... ;-)
Schauen wir uns die einzelnen Voraussetzungen doch mal genauer an.
Flexibilität: Heute habe ich frei! Einen ganzen Tag nur für mich! Herrlich! Pustekuchen - Kind ist krank. Also nichts mit Kaffeekränzchen, Friseurtermin und Lesen. Stattdessen wird Fencheltee gekocht und Wadenwickel gemacht. Nach Besserung des kindlichen Zustandes wird ein Puzzle nach dem anderen gelegt und tonnenweise Bücher vorgelesen. Alles andere kann warten. Auch ich!
Organisationstalent: Neulich in der Küche: Ich war mit Rabentochter und Rabensohn dabei Kekse zu backen. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich schleunigst das Abendessen vorbereiten musste. Also Fleisch eingelegt, Salat gewaschen, Kekse in den Ofen, Dressing angerührt, zwischendurch mal kurz Rabentochters Popo abgeputzt (natürlich gründlich die Hände gewaschen ;-))), Tisch gedeckt, Rabensohns ausgestochene Kekse bewundert, Ehemanns Ferienpläne abgenickt und dabei komplett die Ruhe bewahrt. Dank der richtigen Organisation war es ein Kinderspiel ;-)
Zielorientierte Arbeitsweise: Mein Ziel ist es, beide Kinder abends um halb acht im Bett zu haben. Darauf arbeite ich schon morgens hin, indem ich frage: "Wer bringt dich heute Abend ins Bett?" Leider bin unter der Woche meistens ich das, da mein Mann nicht da ist. In solchen Fällen fange ich ab ca. 17.30 Uhr damit an meine beiden Rabenkinder darauf vorzubereiten, dass in zwei Stunden Schlafenszeit ist. Alles mit dem Ziel, die Zu-Bett-Geh-Arie möglichst kurz zu halten. Nach dem Abendessen wird nicht mehr getobt, sondern nur noch ruhig gespielt (wenn ich die Kinder ins Bett bringe ;-))...). Um 19 Uhr liegen dann beide gewaschen und Zahn geputzt in ihren Betten und wir lesen. Danach wird noch gekuschelt und dann ist Schluss und es wird geschlafen. Klappt zwar nicht immer reibungslos, aber immer öfter. Deshalb hat auch jede Aktivität, die wir tagsüber machen das Ziel abends müde und zufrieden ins Bett zu fallen.
Kreativität: Bepackt mit zwei vollen Einkaufstaschen, einer quengelnden Tochter und einem Luftballon stand ich vor dem Aufstieg in unsere Wohnung. Trotz unbändigem Bewegungsdrang ist meine Tochter schlichtweg zu faul unsere 22 Stufen alleine hochzulaufen, sie will getragen werden. Aber das war nun mal in diesem Moment unmöglich. Also, was machen? Schnell das Gehirn eingeschaltet, kreativ gewesen und meiner Tochter folgenden Vorschlag gemacht: "Mal schauen, wer schneller oben ist, der Luftballon oder du? Auf die Plätze fertig los!" Luftballon in die Luft geworfen ... Und schwupps, waren Tochter, Luftballon und Einkaufstaschen oben.
Belastbarkeit: Ich sitze im Auto und quäle mich durch den Nachmittagsverkehr. Vor mir schleicht ein Opa in einer schicken Karosse her (Mensch hier ist 50, nicht 30!), links hinter mir quatscht mir mein Sohn ein Ohr ab und rechts hinter mir steht das Schnattermäulchen meiner Tochter nicht eine Sekunde still. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, wir sind spät dran. Sehr spät sogar. Opa vor mir macht eine Vollbremsung, Kind links hinter mir nimmt Kind rechts hinter mir die Puppe aus der Hand. Opa vor mir schreit Fußgänger an, Kind rechts hinter mir heult mich an und Kind links hinter mir schreit Kind rechts an, es solle nicht so laut heulen. Und ich mitten drin. Ruhe bewahrend, die Uhr im Blick und den Einkaufszettel für später im Kopf rezitierend. Plötzlich ertönt von vorne ein lautes Hupen, da Opa vor mir entgegenkommendem Großstadtjeep die Vorfahrt genommen hat, Kind rechts hinter mir kreischt los. "Ich muss Pipi!", Kind links schreit ich solle sofort anhalten, es hätte seinen neuen Flummi zu Hause vergessen. Mitten drin - ich. Immer noch ruhig. Endlich am Ziel angekommen, rasen wir zur Toilette, nebenbei erklärend, warum es kein Drama ist, dass der Flummi jetzt zu Hause ist, und Opa aus dem Wagen vor mir freundlich grüßend, da dieser sich als Nachbar meiner Eltern herausstellt. Und das alles ohne Valium oder ähnlichem.
Teamfähigkeit: Mich gibt es eigentlich nur im Team. Ein Familienmitglied arbeitet immer mit mir zusammen. Alleine bin ich fast nie. Noch nicht mal auf dem stillen Örtchen habe ich meine Ruhe. Irgendein Teammitglied verlangt immer nach mir. Gerne übernehme mich auch mal die Aufgaben der anderen Teammitglieder. Sei es Zimmer aufräumen, Arzttermine ausmachen oder Bestellungen aufgeben - ich bin dabei.
Kommunikationsstärke: Vermögen, sich leicht auf verständliche Art und Weise mitteilen zu können; Fähigkeit sich auf Sprache und Niveau des jeweiligen Kommunikationspartners rasch einstellen zu können.
Ich hole meine Kinder vom Kindergarten ab und nicht nur meine beiden Lieben, sondern auch der beste Freund meines Sohnes und die Erzieherin meiner Tochter stürmen auf mich zu und beballern mich mit Wörtern. Hier durchzublicken erfordert einige Konzentration und ich muss mich schnell auf meine Gesprächspartner einstellen und offene Fragen rasch beantworten. Zur Erzieherin gerichtet: "Ja, danke ist mir auch schon aufgefallen. Ich werde daran denken, neue Wechselklamotten mitzubringen." Zum Rabensohn: "Nein, heute können wir nicht mehr auf den Fußballplatz gehen. Es ist fast dunkel!", Zum Freund des Rabensohnes: "Da muss ich erst mal mit deiner Mami sprechen!", zur Rabentochter: "Ja mein Schatz, das hast du ganz toll gemalt!"
Liebe Mütter traut euch! Jede von euch hat doch sicher schon mal eine Situation erlebt, die euch stark macht für die Anforderungen der Arbeitswelt. Euer Kind/eure Kinder sind das beste Zeugnis. Ihr könnt viel mehr, als ihr euch vielleicht zutraut. Ihr seid belastbar, kreativ, flexibel, diplomatisch, kommunikationsstark und sehr schlau darin Lösungen zu finden und dabei nicht durchzudrehen. Außerdem seid ihr es gewohnt, wenn man euch nicht ständig lobt.... ;-)
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Donnerstag, 8. August 2013
Kind oder Karriere?
Warum muss ich mir diese Frage überhaupt stellen? Ich bin
eine Rabenmutter, also will ich beides, ist doch klar. Wozu habe ich mich
jahrelang durchs Studium geschleppt, Inlandspraktika und Auslandssemester
absolviert, haufenweise Überstunden geschoben, geackert, gerackert, geächzt? Um
jetzt das Heimchen am Herd zu geben, den Haushalt tipp topp zu halten und den
ganzen Tag die Kinder zu bespaßen? NEIN. Ich will nicht meinem Mann dabei
zusehen, wie er die Karriereleiter hochklettert und ich immer unzufriedener
werde, weil ich meine Fähigkeiten nicht mehr einsetzen kann. Irgendwann fängt
er dann eine Affäre mit seiner Sekretärin an, da er die nörgelnde Alte zu Hause
nicht mehr ertragen kann. Ich will selbst was erleben, mich einbringen,
Smalltalk mit Kollegen halten und in Meetings meine Erfahrungen einbringen. Ich
will eine faire Entlohnung für meinen Einsatz und nicht mit einem Minijob
abgespeist werden. Gut, die große Karriere werde ich wohl nicht mehr machen.
Aber ehrlich gesagt, das wollte ich auch nie. Mir war immer klar, dass ich
Kinder haben will. Und dass dann sicher in irgendeiner Art und Weise der Job
ein bisschen zurücktreten muss. Aber dass es so schlimm wird, damit hätte ich
nicht gerechnet. Aber es gibt Hoffnung. Inzwischen habe ich einen tollen Job mit fairem Gehalt, netten Kollegen und Herausforderungen. Aber der Weg dahin war steinig.
Eine Freundin hat mir vor Kurzem erzählt, dass ihre Cousine
schwanger ist. Endlich! Ein absolutes Wunschkind! Jetzt will sie mit ihrem Mann
in die Nähe ihrer Eltern ziehen, da dann ja alles einfacher zu organisieren
ist. Ihren Job will sie aufgeben und sich einen neuen suchen. Meine erste Frage
war: „Hat sie einen befristeten Vertrag oder eine unbefristete
Festanstellung?“. Es stellte sich heraus, dass die werdende Mutter einen super
Job in unbefristetem Arbeitsverhältnis hat. Mir rutschte nur heraus: „Oh mein
Gott, wie kann sie das nur freiwillig aufgeben!“.
In meiner Branche ist es üblich, dass man sich von einem
befristeten Vertrag zum nächsten hangelt. Ging ja auch all die Jahre bei mir
gut. Aber nach der Geburt meines Sohnes und des ersten Jahres Elternzeit stand
ich plötzlich ohne Job da. Ein ganz neues Gefühl für mich. Und wahrlich kein
angenehmes. So leicht ließ ich mich aber nicht unterkriegen und fing an zu
suchen. Ich hatte noch genügend Kontakte zu alten Kollegen und war guter Dinge
schnell wieder einen Job zu finden. Doch meine Suche ließ mich schnell
verzweifeln. Ich musste mir Sprüche anhören, wie „Aber dein Kind darf kein
Problem sein. Wir haben hier keine Mütter beschäftigt!“ oder „Wer kümmert sich
eigentlich um das Kind, wenn du mal länger arbeiten musst? Und das ist bei uns
eigentlich Standard!“ Es war eine harte Zeit und ich hätte alles darum gegeben,
einen unbefristeten Vertrag zu haben und nach einem oder zwei oder vielleicht
auch drei Jahren wieder in meinen alten Job zurückzukehren. Ich weiß, dass auch
die Rückkehr in den festen Job nach der Elternzeit nicht einfach ist. Aber es
besteht doch eine gewisse Sicherheit, dass man noch einen Job hat, wenn man
wieder arbeiten möchte.
Ich hatte Glück und fand eine super Stelle, die mich
wirklich ausfüllte. Ich verdiente zwar wesentlich weniger als vor der Geburt
meines Sohnes – „Du arbeitest ja jetzt nicht mehr kreativ, sondern mehr
organisatorisch. Und du hast ja super Arbeitszeiten und kannst schon um 17 Uhr
gehen!“ – aber ich hatte einen Jahresvertrag. Klar ging ich um 17 Uhr. Aber ich
kam auch schon um acht und machte keine Mittagspause. Oft arbeitete ich abends
von zu Hause oder von unterwegs. Dass ich meinen knapp zweijährigen Sohn bei
einer immens teuren Tagesmutter unterbrachte und mich ständig der Gedanke
verfolgte, dass eine fremde Frau meinen Sohn öfter sieht, als ich, das
interessierte natürlich niemanden. Ich arbeitete auch meine 40 Stunden oder
mehr in der Woche. Ich verteilte sie nur anders und arbeitete effektiver als
meine Kollegen. Eine ausgiebige Mittagspause und ein netter Plausch beim Kaffee
waren da eben nicht drin. Mein Job verlangte viel von mir ab. Oft fuhr ich
heulend nach Hause, da Dienstreisen, Redaktionsschluss und krankes Kind einfach
zu viel für mich waren. Mein Mann sagte sogar einmal zu mir: „Mir ist es lieber
du bist arbeitslos, als dass du dich so kaputt machst!“ Nichtsdestotrotz liebte
ich meinen Job und die, wie sich herausstellte, doch sehr kreative Arbeit. Aber
der Wunsch nach einem zweiten Kind war auch da. Doch wie sollte es mit zwei Kindern
gehen? Mein Vertrag lief bald aus und dann?
Irgendwie wird es schon weiter gehen, ich war mutig und hoffnungsvoll. Ich freute mich auf
unser zweites Kind und den geplanten Umzug in meine alte Heimat. Viele Jobs in
meiner Branche gab es dort zwar nicht, aber ich sah das eher als eine Chance
für einen Neuanfang. Außerdem wohnten meine Eltern ja gleich ums Eck, was sollte da schon schiefgehen? Im Notfall hätte ich ja eine Betreuung. Das erste Jahr genoss ich mit meiner Tochter zu Hause,
doch dann wollte ich unbedingt wieder arbeiten. Da die Aussichten wirklich
schlecht für mich waren, beschloss ich per Fernstudium eine Zusatzausbildung zu
machen. Ich schöpfte wieder neue Kraft und neuen Mut. Und ich wurde auch
mutiger in meinen Bewerbungen. Das zahlte sich aus. Ich bekam eine wundervolle
Stelle angeboten, viel Verantwortung, Dienstreisen zur Berlinale, zu den
Filmfestspielen in Cannes und nach München und Paris. Ein Traumjob – aber nicht
für jemanden mit Kindern. Ich musste mir selbst eingestehen, dass dieser Job
meine Kräfte und auch meine Leidensfähigkeit überschritt. Wozu habe ich Kinder,
wenn ich sie dann nicht mehr sehe? Schweren Herzens, aber guten Gewissens sagte
ich ab.
Also aufs Neue wieder Bewerbungsgespräche führen. Was ich
mir hierbei teilweise anhören musste, ließ mich immer wieder den Kopf
schütteln. Ein potenzieller Chef, der ausdrücklich eine Teilzeitstelle
ausgeschrieben hatte, meinte zu mir, dass es kleinen Kindern nicht gut tut,
wenn sie frühzeitig fremd betreut werden. "Die entwickeln sich alle zu
Psychopathen." Ich dachte ich höre nicht richtig. Natürlich fragte ich ihn, ob
er denn eigene Kinder hätte. "Nein, aber neun Geschwister." Da war mir alles klar.
Ich zog es vor, das Bewerbungsgespräch abzubrechen und zu meinen Psychopathen
nach Hause zu kehren. Ein anderer meinte, dass ich meinen Sohn und meine
Tochter doch lieber aus meinem Kindergarten (der liegt übrigens fünf Gehminuten
von uns entfernt) herausnehmen soll. Hier in unmittelbarer Nachbarschaft zum
Büro gebe es eine Kita, da könne ich die beiden doch unterbringen, dann kann
ich auch länger arbeiten. Super Idee. Der hatte sicher auch keine Kinder, denn
sonst wüsste er, dass die Vergabe eines Kitaplatzes kein Wunschkonzert ist und
Kinder keine kleinen Zinnsoldaten sind, die man einfach mal schnell woanders
hinstellt. Außerdem, was ist denn mit der Probezeit? Gibt es die bei Ihnen
nicht? Wenn ich die nicht schaffe, dann haben meine Kinder einen Kitaplatz in
einer 20 Kilometer entfernten Stadt. Großartig. Sie können dann ja alleine mit
der S-Bahn hinfahren.
Also ging die Suche weiter. Einfach aufgeben, das war nicht
mein Ding. Ich wollte arbeiten und ich musste arbeiten. Für mich, für meine
Kinder, für unsere Familie. Letztendlich haben sich meine Geduld und mein
Einsatz ausgezahlt. Ich habe eine Stelle fünf Fahrradminuten von unserer
Wohnung entfernt gefunden. Und es nicht nur ein Job, er macht mir auch noch
richtig Spaß!
Der Cousine meiner Freundin würde ich aber dennoch raten,
überleg dir gut, was du tust. Ich sehe das Problem nämlich nicht darin, einen
passenden Betreuungsplatz für ein Kind zu finden. Das Problem liegt eher darin
einen passenden Arbeitgeber zu finden, der weiß, was er an einer Mutter als
Arbeitskraft hat und uns Frauen auch zutraut, dass wir diese Doppelbelastung Kind und Karriere schaffen. Ich hatte Glück. Und das wünsche ich auch allen anderen Müttern dieser Welt. Gebt nicht auf und gebt euch vor allem nicht mit weniger zufrieden. Glaubt an euch!
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