Montag, 22. Juli 2013

Circus Maximus oder die Qual der Nahmenswahl

Wir sind im Sommer, wie viele andere auch, sehr oft draußen unterwegs und ich bin immer wieder erstaunt, welch' Fantasie manche Eltern bei der Namenswahl ihrer Sprösslinge an den Tag legen. Über den Spielplatz schallt es da in voller Lautstärke : "Cheyenne, lass dem Kind sein Förmchen!" oder "Latoya, schmeiß nicht mit Sand!". Im Freibad dröhnt es: "Jeremy-Pascal hör' auf, den Jason-Justin unter Wasser zu tunken!" Aber den Knaller schoss eine Mutter im Freibad ab, als sie ziemlich energisch und laut über die ganze Wiese, nach ihrem ungefähr fünfjährigen, ziemlich schmächtigen Sohn rief: "Maximus, komm jetzt!" Da dachte ich nur so bei mir, das arme Kind hat eine ganz schöne Bürde zu tragen, denn Maximus ist lateinisch und heißt: der Größte. In der Antike war Maximus oft der Beiname zahlreicher römischer Politiker und sonstiger Persönlichkeiten (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Maximus). 


Ich gebe zu, die Namenswahl für das eigene Kind ist wirklich schwer. Mir fiel es auch nicht leicht und der Name meines Sohnes stand erst 1 1/2 Stunden vor seiner Geburt fest. Bei meiner Tochter waren wir dann etwas entscheidungsfreudiger und legten uns schon ca. fünf Monate vor ihrer Geburt auf einen Namen fest. Die Namen unserer Kinder sind weder sehr außergewöhnlich, noch unter den Top 10 der Vornamenhitlisten. Der Name meines Sohnes war in seinem Geburtsjahr jedenfalls nicht unter den Top 250, der meiner Tochter in 2010 allerdings in den Top 35. Auch begnügen sich meine Kinder lediglich mit jeweils zwei Vornamen und müssen nicht eine ganze Armada an Namen runter rattern, wenn sie sich vorstellen. Ich habe nur einen Vornamen und lebe auch ganz gut damit. Auf den zweiten Namen unserer Kinder hatten wir jedoch keinen wirklichen Einfluss, da wir das bei meinem Sohn ganz in die Hände meiner Stieftochter gaben. Sie war damals elf und ihr gefiel ein sehr gängiger Name (Platz 1 2007). Den zweiten Namen für meine Tochter durfte dann mein Sohn aussuchen. Ihm gefiel eine Comicfigur vom Kinderkanal besonders gut.... ;-)) Na ja....
Und nicht nur internationale Prominente verwundern uns mit schrägen Namen, wie North (das Neugeborene von Kim Kardashian) oder Harper Seven (Tochter von Victoria und David Beckham, Seven bezieht sich übrigens auf die Rückennummer von David Beckham! ). Auch deutsche Prominente sind erfinderisch: San Diego, Don Hugo oder Wilson Gonzales - was soll das?  Manchmal frage ich mich schon, ob die Eltern bei dieser außergewöhnlichen Namenswahl wirklich an das Kind denken. Bei uns im Kindergarten könnten jedenfalls Rihanna, Shakira und Keisha eine neue Girl-Group gründen und Ken ist immer noch auf der Suche nach seiner Barbie. 


Auch sollte man bei der Namenswahl darauf achten, dass der Vorname zum Nachnamen passt. Sonst könnte es leicht zu Irritationen kommen. Vor allem, wenn der Nachname auch gleichzeitig als Vorname herhalten könnte, wie zum Beispiel Tillmann. Wenn hier jetzt ein Vorname dazu gewählt wird, der in manchen Teilen Deutschland eher als Nachname wahrgenommen wird, wie zum Beispiel Kraft, dann ist die Verwirrung komplett. Kraft Tillmann. Puh!

     Mir hat bei meiner ersten Schwangerschaft meine Hebamme einen guten Tipp gegeben: "Stell' dir einfach vor, du musst den Namen deines Kindes über den gesamten Spielplatz rufen. Fühlt es sich gut an? Dann ist der Name richtig!" Und da hat eben jeder seine eigene Meinung, was sich gut anfühlt ;-) In meinem Freundeskreis gibt es jedenfalls keine großartigen Experimente, aber schöne Namen. 

     In Deutschland gibt es zum Glück noch ein paar rechtliche Bestimmungen bei der Namenswahl und so haben wir noch keine amerikanischen Verhältnisse. Und dennoch will ich niemandem vorschreiben, wie er seine Kinder nennen soll. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Weiß ich, ob meine Kinder nicht irgendwann mal zu mir sagen: "Mama, bist du eigentlich bescheuert uns so doofe Namen zu geben?"





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